HINTER DEM BILDSCHIRM

Kein Anti-Technologie-Artikel

Dies wird kein Anti-Technologie-Artikel sein. Ganz einfach, weil ich kein Anti-Technologie-Mensch bin. Aber ich glaube, dass Erfindungen per Definition wie Babys sind, es hängt von der Pflege eines Neugeborenen ab, von den Schwerpunkten, der Umgebung, der Art und Weise, wie die Gesellschaft auf das Neue reagiert.

Und ich glaube, dass die Technologie einen Punkt erreicht hat, an dem sie nicht mehr nur den Schein verändert, die Art und Weise, wie wir reisen, produzieren, transportieren, bauen oder eine dieser anderen praktischen Umsetzungen beeinflusst.

Aber diese Technologie hat einen Punkt erreicht, an dem sie, im Wesentlichen durch die Art und Weise, wie sie die Kommunikation beeinflusst oder – leider – man kann sagen, zunehmend definiert, einen tiefgreifenden Einfluss auf die menschliche Evolution (was auch immer das bedeutet) hat.

Ein Symbol dafür ist das Gerät, das wir gewöhnlich Mobiltelefon nennen. Oder, überraschenderweise, Smartphone. Während das Gerät selbst, zumindest theoretisch, als smart definiert werden könnte, möglicherweise basierend auf den Spezifikationen und der Komplexität des Betriebssystems – ist unsere Anwendung dieser spezifischen Technologie auch smart?

A phone on the wall. No comfort, no chair - and no way of taking it with me. Not smart. Or, actually, smarter than what we use today?
Ein Telefon an der Wand. Kein Komfort, kein Stuhl – und keine Möglichkeit, es mitzunehmen. Nicht smart. Oder eigentlich smarter als das, was wir heute benutzen?

Telefon an der Wand

Bis ich aufhörte, ein Teenager zu sein, war ein schwarzes Telefon mit einer Wählscheibe, das, wie ich mich erinnere, etwas Muskelkraft und Geduld erforderte, das an einer Wand im Flur hing und vielleicht einmal pro Woche läutete, eine hartnäckige Glocke, die fast die Toten erweckte, mein einziges technisches Kommunikationsmittel.

Und sein Hauptzweck war es, ein einminütiges Gespräch zu führen, das in etwa so wie “Hallo”, “Wie geht es Dir”, “Treffen wir uns”, “Auf Wiedersehen” lief. Das endete das unbehagliche Stehen und leitete in der Realität allermeistens ein vollwertiges Treffen ein.

Doch was ist die Realität? Facebook, Whatsapp und andere sogenannte soziale Plattformen – und wie sozial sie wirklich sind, ist Gegenstand von Diskussionen – sind heutzutage möglicherweise “realer” geworden als persönliche Treffen, die früher einmal stattfanden. Diese Art von altmodischer Mensch-zu-Mensch-Kommunikation, bei der man sehen, berühren, riechen, beobachten, kurz gesagt, mit einer anderen Person vollständig interagieren kann, ist nicht mehr die übliche Option.

In einen Bildschirm zu schauen, zu sitzen, zu gehen, zu stehen, zu reisen, zu essen, zu warten und dabei die unwahrscheinlichsten Dinge zu tun, die man sich nur vorstellen kann, ist zur ‘Norm’ geworden.

Ich versuche es

Ich habe ein Mobiltelefon. Ich gebe es zu. Als ich vor kurzem in der Schweiz angekommen bin – wahrscheinlich nur, um bald wieder abzureisen – habe ich mir für fast nichts ein billiges, nicht-schlaues, winziges Ding besorgt, das nur Anrufe und SMS erledigen konnte. Was für eine Offenbarung. Endlich schickte mir niemand Benachrichtigungen, Links (oft für gar nichts und um überhaupt nichts zu erklären). Aber dann sagte mir leider meine Bank, dass ich mich, um ihre Dienste nutzen zu können, an ihre Autorisierungsregel anpassen müsse (wie oft müssen wir uns tatsächlich an die Technologie anpassen und wie selten ist es, dass sich die Technologie an uns anpasst?).

Ich versuchte zu widerstehen, aber dann wurde mir in London bei dem Versuch, mein britisches Telefon zu reaktivieren, gesagt, dass ich 3G brauche und dass mein winziges Superding nicht in der Lage sei, sich anzupassen (selbst die Technologie wird umgehend obsolet). Also ging ich traurig und versklavt zu einem neuen Smartphone. Nur ist jetzt kein Whatsapp installiert, kein E-Mail-Abruf aktiviert. Ich halte das Telefon in einem erwünschten “prähistorischen” Zustand der Begrenzung auf Abruf.

Und ich dachte darüber nach, dass die Menschen überall ihre ach so schönen Smartphones tragen. Meines bleibt einfach in der Tasche, oder aus, wenn ich nicht wirklich muss, was ich vorziehe. Ich bin mit all meinen 5 Sinnen in der Realität. Wenn ich schon die Welt nicht verändern kann, so kann ich doch zumindest mit meinem eigenen kleinen Selbst zeigen, dass ich diese Realität dem vorziehe, was ich vorziehe… warte…

Was ist die Realität?

Die Realität hinter einer Leinwand ist ebenfalls eine gewählte Realität. So wie die Realität in diesen scheinbar sehr süchtig machenden Spielen, die sogar einige Menschen durch einfaches Vergessen von Essen und Trinken oder durch einen Herzinfarkt getötet hat.

Wir nennen die Realität hinter einem Bildschirm virtuelle Realität. So einfach und bequem dies in einem strengen – möglicherweise etwas philosophischen – Sinn klingt, so virtuell oder real ist jede Realität, wie wir sie erleben. Im schamanischen Wach-Träumen werden Träume als realer angesehen als das, was wir Realität nennen. Mit allen 5 Sinnen erlebt.

Und die Realität hinter der Leinwand kann – und wurde – für manche Menschen möglicherweise auch “realer” als die “reale” Realität es je sein könnte. Die virtuelle Realität, auf die Spitze getrieben, kann nicht nur ein Ersatz für die Realität werden, die wir gewohnt sind, real zu nennen, sondern tatsächlich eine realistischere Darstellung des “Realen”, oder vielleicht besser eine Wichtigere.

Es geht also im Wesentlichen nicht um den objektiven Realitätswert einer bestimmten Realität, die man lebt, sondern um die subjektive Bedeutung dieser Realität, die das Individuum wahrnimmt. So sind nun Menschen, die wegen eines Spiels physisch sterben, und auch ein Teenager, der seine Eltern tötet, weil er sein Smartphone wegnimmt, schrecklich und beunruhigend, aber auf psychologischer Ebene machen sie einen traurigen – sehr traurigen – Sinn.

“ein 16-Jähriger tötete seinen Vater, weil er ihm sein Mobiltelefon weggenommen hatte, während er ein Online-Multiplayer-Shooter-Spiel spielte. Bei einem anderen Vorfall im vergangenen August in Bengaluru ermordete ein 15-jähriges Mädchen seinen Vater mit Hilfe eines männlichen Freundes, nachdem er versucht hatte, die Zeit, die sie online verbrachte, zu verkürzen”.
Quelle: Deccan Herald

Jene Menschen, die vollständig in ihre Smartphone-Welt eingetaucht sind, in die Realität hinter den Bildschirmen, welche nicht nur einige, sondern – zumindest in meiner subjektiven Erfahrung – täglich mehr und möglicherweise bald die Mehrheit sind, in Bussen, Zügen, Geschäften, auf der Straße oder sogar in Saunas, haben, so nehme ich an, zumindest in einigen Fällen, die Realität hinter ihren Bildschirmen als wesentlicher definiert als die Realität um sie herum.

Dies ist der Informations-Super-Highway, den Clinton glücklicherweise proklamiert hat, der ungefilterte Geheimdienstraum der virtuellen Realität. Die Welt hinter diesen Bildschirmen wird durch das Internet, das WWW, ein Netzwerk mit Wurzeln im Militär, ermöglicht. Möglicherweise seit den anfänglichen komparativen freien Zeiten aus genau dem Grund, den es jetzt widerspiegelt. Totale Kontrolle. Aber diese Gedanken sind eine ganz andere Geschichte. Eine andere, über die ich bald schreiben möchte.

“Denken Sie daran, der sofortige Zugang zu Informationen wird die Produktivität erhöhen, wird zur Erziehung unserer Kinder beitragen. Er wird eine bessere medizinische Versorgung ermöglichen. Er wird Arbeitsplätze schaffen. Und ich fordere den Kongress auf, noch in diesem Jahr ein Gesetz zu verabschieden, dass diese Informationsautobahn ermöglicht.”
Quelle: Bill Clinton

Herausfiltern

Diese “überlegene” virtuelle Welt des digitalen Austauschs hat in meinen bescheidenen Augen ihre Grenzen. Aber für die vielen, die in diese Realität eingetaucht sind, scheinen die Vorteile sie zu überwiegen. Virtuelle Freunde sind besser als die physischen. Virtuelle Begegnungen schüchtern nicht ein, virtuelle Freunde riechen nicht, haben keine Viren (zumindest keine körperbasierten), virtuelle Freunde haben nichts gegen irgendwas (oder sie werden ohne Reue blockiert). Virtuelle Freunde zwingen Dich nicht, hinauszugehen, zu spazieren, sich Zeit zu nehmen. Virtuelle Freunde können leicht ausgetauscht werden, mit virtuelle Freunden kann man parallel kommunizieren, virtuelle Freunde brauchen kein Essen, müssen nicht gefragt werden, ob sie einen Kaffee möchten, virtuelle Freunde durchbrechen nicht die allgegenwärtige Barriere des magischen Smart(-Telefon)-Bildschirms.

Fortnite. Ich hatte, offen gesagt, sogar Schwierigkeiten, es zu schreiben. Ich habe keine Ahnung davon. Ich habe versucht, SIMS zu spielen (10 Min. und gelangweilt), Second Life (gleicher Effekt). Nichts für mich – für Sie?

Aber nicht nur die endlose Glückseligkeit des Internets ist Teil dieser Welt. Auch die Kommunikation selbst, selbst durch die Stimme, scheint sich grundlegend verändert zu haben. Während ich, alte Schule, private Gespräche privat halte, zeigen mir immer mehr Leute, dass sie nicht fragen, sondern entschieden wegschauen und stolz davon ausgehen, dass ihr intimstes Leben öffentlich mit mir geteilt werden muss. Familienstreitigkeiten, stundenlange Videogespräche mit der Mutter, natürlich über den Lautsprecher und mit mir im Bokeh-Hintergrund, die extremsten Auseinandersetzungen und tief traurige, tränenreiche Diskussionen über das Lebensende – alles hier in der Öffentlichkeit. Ist das klug? Ich kann nicht für andere urteilen, aber ich beobachte. Und ich, ich finde es zu traurig, zum Tränen vergießen – in der Tat.

Melancholisch träume ich von den ‘guten alten Zeiten’, als dieses schwarze Wählscheibentelefon an der Wand mein einziges technologiebasiertes Kommunikationsmedium war. Wo sich die Leute trafen, nicht im Chat, im Wald spielten, nicht im massiven Mehrspielermodus. Einen Kaffee trinken, nicht nur Likes und Dislikes verteilen in einer neuen, glänzenden, erstaunlichen, glitzernden, unendlichen, lichtschnellen, sich ständig verändernden, ultra-immersiven, allmächtigen virtuellen Welt hinter Bildschirmen, die einen sogar zufällig töten oder sterben lassen.

Aber wenn die virtuelle Identität das einzige ist, was noch von Bedeutung ist, dann spielt das Sterben in der realen Welt vielleicht keine Rolle mehr?

Verschiebung der Realität

Wie auch immer die persönliche Neigung sein mag, dass sich für immer mehr von uns die Wahrnehmung der Realität ins Virtuelle verlagert, scheint eine Tatsache zu sein.

Nicht, dass ich nicht schon Ausnahmen von der Regel erlebt hätte. Ich habe Menschen getroffen, ja, auch junge Menschen, die sich bewusst entschieden haben, ihre Online-Realität einzuschränken. Sie sind von der virtuellen Realität wieder in die psysische gewechselt. Ich habe andere getroffen, die immer noch kein Smartphone besitzen – und nie vorhaben, ein solches zu besitzen. Und andere, die durch Leiden und mit psychologischer Hilfe aus einer Situation massiver Abhängigkeit von der Welt hinter dem Bildschirm einen Weg zurück in diese Realität gefunden haben.

Die Zukunft steht also nicht fest. Sie ist eigentlich nie festgelegt. Aber was zählt, was mir extrem wichtig erscheint, ist, dass wir kollektiv aufhören, die Technologie als ein wohlwollendes Wunder zu betrachten. Technologie ist, hat und wird unsere Realität in einem noch unbekannten Ausmaß in der Zukunft beeinflussen.

Technologie soll nicht nur ohne kritisches Denken konsumiert werden, man muss wachsam sein, um Technologie zu etwas zu machen, das der Menschheit hilft, sich zu entwickeln, und nicht zu etwas, das den Menschen versklavt.

Seit Beginn der Coronavirus-Krise ist genau dokumentiert, wo welche infizierte Person wann war. Die Beamten befragen die Patienten, welche Wege sie genommen haben und wen sie kontaktiert haben. Sie überprüfen die Überwachungskameras und vergleichen die Aufzeichnungen von Kreditkarten und Mobiltelefonen. Die Routen werden dann veröffentlicht, um eine weitere Infektion zu verhindern.
Der Deutsche Spiegel, über Süd-Korea und den Corona Virus

Diese ganze Geschichte erinnert mich an den “Zauberlehrling” von Goethe. Ein Gedicht, das auf kluge Weise symbolisiert, was passiert, wenn man – aus Bequemlichkeit – mit Kräften spielt, die man nicht kontrollieren kann.

Ich weiß nicht wirklich, ob das lustig ist – aber da ich in der Öffentlichkeit nicht mit einem Smartphone telefoniere, habe ich Zeit, um zu beobachten. Dies sind einige der seltsamen Eindrücke, die ich bekommen habe. Typen von Smartphone-Liebhabern:

Smartphone-Liebhaber

Der Lächler
Beschreibung:
Er/sie lacht immer, normalerweise bei Videoanrufen.
Standort:
Bus, Straßenbahn, Zug, Hotellobby – überall dort, wo er/sie öffentliche Anerkennung erhält
Kommunikationsebene:
20% Kommunikation / 80% jemand Besonderes sein, damit die ganze Welt Bescheid weiß

Die Drama-Königin
Beschreibung:
Oder König…
Über sehr private Dinge in der Öffentlichkeit sprechen. Vorzugsweise stundenlang. Einschließlich Schreien, Weinen und Tränen. Totales Drama.
Schauplatz:
Straße und öffentliche Verkehrsmittel. Wenn er/sie in einen Bus oder Zug steigt, wird er/sie nicht einmal beim Verlassen des Verkehrsmittels mit diesen hoch emotionalen Diskussionen aufhören. Ohne Unterlass. Fremdschämen per excellence.
Kommunikationsebene:
50% / 50%? Ich weiß es wirklich nicht. Ich verstehe auch nicht, warum die ganze Welt all diese extrem privaten Angelegenheiten wissen muss.

Der Lautsprecher
Beschreibung:
Vorzugsweise bei Videogesprächen mit Vollpegel-Lautsprecher. Spricht oft 3 Stunden lang mit seiner Mutter. Liebt Videogespräche. Weiß nicht, dass Lautsprecher abgeschaltet werden können. Und kümmert sich definitiv nicht darum.
Standort:
Straße, Hotellobby, Restaurant, alle öffentlichen Verkehrsmittel, Wartezimmer im Krankenhaus – überall.
Kommunikationsebene:
40% / 60%. Jeder muss wissen, dass er laut ist, dass derjenige, mit dem er spricht, heilig ist (seine Mutter, wer auch immer), und dass er sich ärgert, wenn ihn jemand unterbricht. Die Welt gehört mir.

Der Chatter
Beschreibung:
Verzweifeltes Eintippen in Hypergeschwindigkeit auf der Softtastatur. Oft mit 10 Personen gleichzeitig. Und manchmal mit eingeschaltetem Ton: “Bling”. Nachricht. Tippen. “Bling”. Nachricht. Tippen. Endloser Chat, der nirgendwohin führt.
Ort:
Überall
Kommunikationsebene:
30% / 70% ? Bezüglich Multitasking: Extrem. In der Qualität: Ich weiß es nicht. Es macht mich einfach traurig.

Der Spieler
Beschreibung:
Weiblich Version höher verbreitet. Aber auch männliche. Hypnotisiert.
Standort:
Überall. Öffentliche Verkehrsmittel bevorzugt. Zu Fuß kein Problem.
Kommunikationsebene:
Vielleicht durch Avatare? 10% / 90% wäre eine gute Annahme. 90% ist er/sie eine virtuelle Persönlichkeit.

Der Süchtige
Beschreibung:
Er/sie ist nie ohne Telefon. Immer hinter dem Bildschirm. Beim Gehen, im Supermarkt, auf der Straße, unter dem Bus. In der Sauna, beim Essen – beim Sex? Der Süchtige ist 100% und 24 Stunden mit seinem Smartphone. Sein/ihr einziger Freund?
Standort:
Absolut überall und in jeder Situation.
Kommunikationsebene:
Da dieser Typ keine andere Kommunikation mit der Außenwelt hat als über den Bildschirm, gehe ich davon aus, dass es sich um Kommunikation handelt. Aber in Wirklichkeit ist es nur eine Droge, wie Kokain oder Heroin.

Diese Realität hinter dem Bildschirm wird sich weiter entwickeln. “Wenn man nicht zum Spiel zurückkehrt, stirbt der Charakter. Deshalb müssen die Spieler zurückgehen”, hörte ich gestern im Bus. Verständlich. Und dasselbe könnte auch denen passieren, deren Identität und Wert von der Anzahl der Sympathiepunkte in einem sozialen Netzwerk abhängt. Und deren Realität davon abhängt, wie schnell sie auf Chat-Anfragen reagieren.

So sehen wir als Gesellschaft eine massive Verschiebung der Realitäten. Von meiner Kindheit mit dem unbequemen schwarzen Telefon, das selten an der Wand klingelt – bis hin zu einer realen virtuellen Realität mit endloser Verbundenheit – und oft endloser physischer Unverbundenheit, von den virtuellen Welten des PacMan bis hin zu virtuellen Welten, in die wir vielleicht bald noch viel tiefer eintauchen werden, als wir es bis jetzt sind.

Nur, dass im Gegensatz zum Zauberlehrling kein alter weiser Mann nach Hause kommt, um die Ordnung wiederherzustellen, um ein paar weise Worte zu sprechen, um uns zu befreien. Wir Menschen sind allein. Allein auf dieser Erde. Allein – oft – in einer Welt hinter dem Bildschirm. Und allein mit der tatsächlich realen Gefahr, verlorene Sklaven der Technologie zu werden.

Schlussfolgerung

Es gibt keine Schlussfolgerung. Dies ist wahrscheinlich einer der unschlüssigsten Artikel, den ich je geschrieben habe. Es gibt keine weisen Worte, um dieser Sexyness der Technologie, die sie so zutiefst potent und gefährlich macht, etwas entgegenzusetzen. Und es gibt hier keine Option “keine Technologie”. Technologie ist ein Zug, Technologie ist eine Waschmaschine, und Technologie war mein schwarzer Ziegelstein eines Telefons an der Wand.

Der einzige Unterschied zwischen der bekannten Technologie der Vergangenheit und der Technologie der Zukunft ist ihr Potenzial. Alle Arten von Technologie haben sich verändert und werden unsere Realität weiter verändern – im positiven wie im negativen Sinne.

Und selbst wenn wir zu dem Schluss kämen, dass die Technologie im Wesentlichen mehr Schlechtes als Gutes bewirkt hat und bewirkt, gibt es keine Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen. Virtuelle Realität, künstliche Intelligenz, Big Data, das Internet der Dinge, die Datenautobahn als globales Kommunikationsnetzwerk und als Spielfeld für die kontrollverrückten Regierungen der Welt ist hier, um zu bleiben.

Und sie laufen! Nass und nässer
Wird’s im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör’ mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
Werd’ ich nun nicht los.
Der Zauberlehrling, Goethe

Wir spielen gemeinsam den Zauberlehrling, ohne dass ein alter weiser Mann nach Hause kommt. Aber wollen wir wirklich die Welt der wahren Freundschaft, der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, der wachen bewussten Erfahrungen in der realen Welt um uns herum gegen eine synthetische, keimfreie und leider auch recht Verantwortungslose ‘freie’ Welt hinter einer Leinwand austauschen? Und wollen wir wirklich das letzte Stückchen Privatsphäre leichtsinnig wegwerfen im Tausch gegen eine stumpfe Ware in Form von “smarter” Technologie?
Am Ende wird die Technologie vielleicht immer intelligenter – und wir?

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt. Die Englische Originalversion finden Sie hier:
BEHIND A SCREEN
https://news.notepad.agency/behind-a-screen/

© by notepad.agency 2020. Alle Rechte vorbehalten.

BEHIND A SCREEN

Not an anti-technology article

German Version / Deutsche Version

This will not be an anti technology article. Simply because I am not an anti technology person. But I do believe that inventions are per definition like babies, it depends on the nurturing of a newborn, on the emphasys, the surroundings, the way the society reacts to the new.

And I believe that technology has reached a point where it is not just changing appearances, having effect on the way we travel, produce, transport, build or any of those other practical implementations.

But that technology has reached a point where, essentially through the way she influences or – sadly – one can say increasingly defines communication, has a profound effect on human evolution (whatever that signifies).

One symbol of this is the device we commonly call mobile phone. Or, surprisingly, smartphone. While maybe the item itself could, at least theoretically, be defined as smart, possibly based on specs and operating system complexity – is our application of this specific technology smart too?

A phone on the wall. No comfort, no chair - and no way of taking it with me. Not smart. Or, actually, smarter than what we use today?
A phone on the wall. No comfort, no chair – and no way of taking it with me. Not smart. Or, actually, smarter than what we use today?

Phone on the wall

Until I stopped being a teenager, a black phone with a dial, that, as I remember took some muscle power and patience to use, hanging on a wall in the hallway, that rang maybe once a week, a persistent bell that nearly woke up the dead, was my only technology based communication medium.

And its main purpose was having one minute conversations that went like “Hello”,”How are you”,”Lets meet”,”Good bye”. Which ended uncomfortable standing and consistently initiated a full blown meeting in reality.

While, what is reality? Facebook, Whatsapp and other so called social platforms – and exactly how social they are is open to discussion – have become possibly more ‘real’ nowadays than meetings in person once where. This kind of old fashioned person to person communication where one can see, touch, smell, observe, in summary, fully interact with another person is not the common option anymore.

Looking into a screen, while sitting, walking, standing, while travelling, eating, waiting, while doing the most improbable things imaginable has become the ‘norm’.

I keep trying

I got a mobile phone. I admit. When I recently arrived in Switzerland – probably only to depart soon again – I got myself I cheap non-smart tiny thing for nearly nothing that could only do calls and SMS. What a revelation. Finally nobody sent me notifications, links (often for nothing and really to explain nothing at all). But then, alas, my bank told me that in order to use their services I needed to adapt (how often do we actually have to adapt to technology and how rare it is that technology adapts to us?) to their authorisation rule and have to devices, and two apps.

I tried to resist but then, in London trying to reactivate my UK phone, I was told that I needed 3G and that my tiny superthing was unable to adapt (even technology experiences obviliation). So off I went, sad and enslaved, to a new smartphone. Only now, there is no Whatsapp installed, no email retrieval activated. I keep the phone in a wanted ‘prehistorical’ state of on demand limitation.

And I thought about the fact that people are on their oh so smart-phones everywhere. So my one just stays in the pocket, or off if I am not wanted, which I prefer. I am with all my 5 senses in reality. If I can’t change the world, I can at least show with my own little self that I prefer this reality to that… wait…

What is reality?

The reality behind a screen is also a chosen reality. As is the reality in those apparently very addictive games that has even got some humans dead by simply forgetting to eat and drink, or by heart infarct.

We call the reality behind a screen virtual reality. As easy and convenient this sounds in a strict – possibly somewhat philosophical sense, any reality is as virtual or real as we experience it. In Shamanic Lucid Dreaming dreams are seen as more real than what we call reality. Experienced with all 5 senses.

And the reality behind the screen can – and indeed became – for some humans possibly also ‘more’ real than the ‘real’ reality. Virtual reality, taken to the extreme, can become not only a replacement of the reality we are used to call real, but actually a more realistic representation of ‘real’, or maybe better a more important one.

Thus, in essence, it is not about the objective reality value of a specific reality one is living but about the subjective importance of that reality the invidium perceives. Thus, suddenly, human beings who physically die because of playing a game and also a teenagers who kill their parents because they take their smartphone away are horrible and alarming, but on a psychological level make sad – very sad – sense.

“a 16-year-old killed his father for taking away his mobile phone while he was playing an online multiplayer shooter game. In another incident, in Bengaluru last August, a 15-year-old girl murdered her father with the help of a male friend after he attempted to curtail the amount of time she spent online”
Source: Deccan Herald

Those people completely immersed in their smartphone world, in the reality behind screens, which are not just some, but – at least in my subjective experience- daily more and possibly soon the majority, in buses, trains, shops, on the street, or even in Saunas, have effectively, I suppose, at least in some cases, defined the reality behind their screens more essential than the reality around them.

This is the information super highway that Clinton happily proclaimed, the secret service unfiltered space of virtual reality. The world behind those screens is made possible by the internet, the WWW, a network with roots in the Military. Made possibly since the initial comparative free times for the exact reason that it now reflects. Total control. But those thoughts are another story altogether. Another one I would like to talk about soon.

“Think of it, instant access to information will increase productivity, will help to educate our children. It will provide better medical care. It will create jobs. And I call on the Congress to pass legislation to establish that information super highway this year.”
Source: Bill Clinton

Filtering it out

This ‘superior’ virtual world of digital exchange has its limitations, in my humble eyes. But for the many immersed in that reality, the advantages seem to outweigh them. Virtual friends top physical ones. Virtual encounters don’t intimidate, virtual friends don’t smell, don’t have viruses (at least not body based ones), virtual friends don’t object (or they get blocked without remorse). Virtual friends don’t force you to go out, walk, take time. Virtual friends are easily exchanged, virtual friends can be communicated with in extreme parallel, virtual friends don’t need food, don’t have to be asked if they would like a coffee, virtual friends don’t break the omnipotent barrier of the magic smart(-phone) screen.

Fortnite. I frankly even had difficulty writing it. I have no clue about it. I tried playing SIMS (10 mins and bored), tried Second Life (same effect). Not for me – for you?

But not only the endless bliss of the internet is part of this world. Communication itself, even by voice, seems to have changed fundamentally. While I, old school, keep private conversation private, more and more are telling me, not asking but decidedly looking the other way and proudly assuming, that their most intimate life has and needs to be shared publicly with me. Family arguments, hour long video calls with their mother, of course over the loudspeaker and with me playing bokeh background, the most extreme arguments and deeply sad tearful end-of-life discussions – all right here in the open public. Is this smart? I can’t judge for others, but I do observe. And me, I find it too sad to shed tears – indeed.

Melancholically I dream of those ‘good old times’ when this black dial phone on the wall was my only technology based medium of communication. Where people would meet, not chat, play in the woods, not in massive multiplayer. Have a coffee, not place likes and dislikes strategically in a new, shining, amazing, glittering, infinite, speed of light, ever changing, ultra immersive, omnipotent virtual world behind screens that even happen to kill or get one killed.

But then, if the virtual identity is all that remains of importance, then dying in the real world might not matter anymore?

Shift in reality

Whatever ones personal inclination, that for an increasing number of us the perception of reality shifts into the virtual seem to be a fact.

Not that I haven’t experienced exceptions to the rule. I met people, yes, also young people, who have taken a conscious decision to limit their online reality. Have switched from virtual reality back to physical one. Have met others who still don’t – and never plan to – own a smartphone. And others still, that through suffering and with psychological help, have been able to find a way back into this reality from a situation of massive addiction to the world behind the screen.

So the future is not set. It is actually never set. But what matters, what seem to me to be of extreme importance, is that we collectively stop to see technology as a benevolent miracle. Technology is, has and will influence our reality to a yet unknown extent in the future.

Technology is not just to be consumed without critical thinking, one needs to be awake to make technology something that helps humanity evolve and not make it into something that enslaves the human being.

Since the beginning of the coronavirus crisis, it has been documented exactly where which infected person was when. Officials are questioning patients, what routes they took and who they contacted. They’re checking surveillance cameras and matching credit card and cell phone records. The routes are then published to prevent further infection.
The German Spiegel, about South-Korea and the Corona virus

This whole story reminds me of the Goethe’s ‘The sorcerer’s apprentice’. A poem that symbolises in a smart way what happens if one plays – out of commodity – with forces one cannot control.

I don’t really know if this is funny – but as I don’t smartphone in public I have time to observe. These are some of the strange impressions I got. Types of smartphone lovers.

Smartphone lovers

The Smiler
Description:
He/she is always laughing, usually on video calls. 
Location:
Bus, tram, train, hotel lobby – everywhere where he/she gets public recognition
Communication level:
20% communication / 80% be somebody special, make sure the whole world knows

The Drama-Queen
Description: 
Or King…
Discussing very private stuff in public. Preferably for hours. Including shouting, crying, tears. Total drama.
Location:
Street and public transport. If he/she enters a bus or train, she will not even stop with those highly emotional discussions when exiting the transport. Non-stop. Second hand embarrassment par excellence.
Communication level:
50% / 50%? I really don’t know. Neither I understand why the whole world has all this extremely private matter.

The Loudspeaker
Description:
Preferably on video-call with full level loudspeaker. Often talking to his mother for 3 hours. Loves video calls. Does not know that loudspeakers can be turned off. And definitely does not care. 
Location:
Street, hotel lobby, restaurant, any public transport, hospital waiting room – anywhere.
Communication level:
40% / 60%. Needs everybody to know that he is loud, that whoever he talks to is sacred (his mother, whoever), gets angry if anybody interrupts. The world is mine.

The Chatter
Description:
Frantically typing in hyper speed on the soft-keyboard. Often with 10 people at the same time. And sometimes with the sound on: “Bling”. Message. Typing. “Bling”. Message. Typing. Endless chat going to nowhere.
Location:
Anywhere
Communication level:
30% / 70% ? As in multitasking: Extreme. As in quality: I don’t know. It just makes me sad. 

The Gamer
Description:
Female more prevalent. But males too. Immersed. 
Location:
Anywhere. Public transport preferred. While walking no problem.
Communication level:
Maybe through avatars? 10% / 90% would be a good assumption. 90% a virtual personality.

The Addict
Description:
He/she never is without phone. Always behind the screen. While walking, in the supermarket, on the street, under the bus. In the Sauna, while eating – when making love? The addict is 100% and 24 hours with his smartphone. His/her only friend?
Location:
Absolutely everywhere and in any situation.
Communication level:
As this type has no other communication with the world outside than through the screen, I assume t is communication. But in reality it is just a drug, like Cocaine or Heroin.

This reality behind the screen will keep evolving. ‘If one does not go back to the game, the character dies. That is why gamers need to go back’, I overheard in the bus yesterday. Understandable. And the same thing might happen to those whose identity and value depends on the amount of likes on some social network. And whose reality is defined by how fast they react to chat requests.

Thus we are looking as a society at a massive shift of realities. From my time of childhood with the uncomfortable black phone seldomly ringing from the wall – to a real virtual reality of endless connectedness – and often endless physical disconnectedness, from virtual worlds of PacMan to virtual worlds that may soon become even much more immersing than they are now.

Only that, unlike the sorcerer’s apprentice, there is no old man coming home to reestablish order, to speak some wise words, to get us free. We humans are alone. Alone on this Earth. Alone – often – in a world behind the screen. And alone with the indeed real danger of becoming lost slaves of technology.

Conclusion

There is no conclusion. This is probably one of the most inconclusive articles I’ve written. There are no wise words to counterbalance this sexyness of technology that makes it so profoundly potent and dangerous. And there is no ‘no technology’ option here. Technology is trains, technology is a washing machine and technology was my black brick of a a phone on the wall.

The only difference between the known technology of the past and the technology of the future is its potence. All kinds of technology have changed and will keep changing – in positive and negative ways – our reality.

And even if we would reach the conclusion that in essence technology did and does more bad than good, there is no way to turn back time. Virtual reality, artificial intelligence, big data, the internet of things, the information superhighway both as a global communication network and a playfield for the world’s control crazy governments is here to stay.

“Both are running, both are plodding
And with still increased persistence
Hall and work-shop they are flooding.
Master, come to my assistance! –
Wrong I was in calling
Spirits, I avow,
For I find them galling,
Cannot rule them now.”
The Sorcerers Apprentice, Goethe

We are collectively playing sorcerer’s apprentice with no old wise man coming home. But do we really want to exchange the world of true friendship, of face to face communication, of awake conscious experiences in the real world around us against a synthetic, germfree and sadly also quite commitment free world behind a screen? And do we really want to throw the last remaining bit of privacy carelessly away in exchange for some blunt commodity in the form of ‘smart’ technology?
At the end, technology may get smarter and smarter, but we?

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